MEDIZINALCANNABIS FAQ

► ⠀ Wie ist die aktuelle Gesetzeslage für medizinisches Cannabis?

Seit dem 10. März 2017 gilt das “Gesetz zur Änderung betäubungsmittelrechtlicher und anderer Vorschriften”. Dieses erlaubt Ärzten das Verschreiben von cannabisbasierten Arzneimitteln. Verschrieben wird dabei medizinisches Cannabis in Form von Blüten oder Extrakten. Cannabis als Medikament ist ausschließlich in Apotheken mit einem Betäubungsmittelrezept zu erhalten. 

Anträge zur Kostenübernahme der Therapie durch die gesetzlichen Krankenkassen werden von dem medizinischen Dienst der Krankenkassen geprüft. Dabei liegt laut Barmer die Bewilligungsquote bei knapp 66% in gesamt Deutschland. Die Anträge werden von den Patienten gestellt. Nach positivem Gutachten und der Teilnahme an der Begleitstudie¹, durchgeführt durch die BfArM¹, wird der Verordnung i.d.R. zugestimmt.

► ⠀ Wie läuft die Kostenübernahme durch Krankenkassen bei medizinischem Cannabis ab?

1) Zustimmung der Krankenkasse

Die Krankenkasse muss dem Antrag auf eine Kostenübernahme hinsichtlich der Therapie nach § 31 Absatz 6 Fünftes Buch Sozialgesetzbuch (SGB V).  zustimmen. Im Gesetzestext steht, dass diese lediglich “in begründeten Ausnahmefällen” abgelehnt werden.

2) Begleiterhebung der Therapie

Eine weitere Bedingung ist die Zustimmung der Teilnahme an der Begleiterhebung des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte ( BfArM). Dieses sammelt anonymisierte Daten über den Verlauf der Therapie und die Wirkung von Cannabis als Medikament, um die Forschung weiter voranzutreiben. Bei den Daten handelt es sich zum Beispiel um demografische Merkmale, Diagnose des Patienten, Vorerkrankungen, sowie eingesetzte Dosis an Cannabis und Wirkung. Die Übermittlung der Daten erfolgt durch die behandelnde Ärztin/ den behandelnden Arzt.

► ⠀ Bei welchen Erkrankungen oder Beschwerden verschreiben Ärzte medizinisches Cannabis?

Medizinisches Cannabis findet zur Zeit bei vielen Symptomen und Krankheitsbildern Anwendung. Zu nennen sind hier neurodegenerative Krankheiten, wie Alzheimer²,  Parkinson² und Multiple Sklerose². Hinzu kommen entzündliche Darmerkrankungen, sowie schwere Spastiken³, wie das Tourette Syndrom. Aus der Begleiterhebung geht hervor, dass Cannabis häufig bei chronischen Schmerzen verschrieben wird.

► ⠀ Welche Darreichungsformen von medizinischem Cannabis können von einem Arzt verschrieben werden?

Medizinisches Cannabis gibt es in verschiedenen Darreichungsformen. Die Blüten der weiblichen Cannabispflanze können in Ihrer Reinform verschrieben werden. Die Wirkstoffe werden durch Erhitzen freigesetzt und durch Inhalation der Dämpfe im Körper aufgenommen. So werden die freigesetzten Cannabinoide vom Körper schneller verwertet⁷, als bei den alternativen Darreichungsformen.

Neben Cannabisblüten werden auch Extrakte oder Fertigarzneimittel wie Sativex oder Canemes⁶ verschrieben. Sativex wird als Mundspray verabreicht und wirkt über die Schleimhäute⁵, während Canemes als oral eingenommene Kapsel über den Verdauungstrakt⁶ aufgenommen wird. 

Deutschen Apotheken steht zusätzlich Dronabinol, ein cannabinoidhaltiges Öl, als Rezepturarznei zur Verfügung, welches individuell hergestellt werden kann⁷. 

► ⠀ Warum gibt es eine Begleiterhebung und welches Ziel verfolgt sie?

Cannabis ist als Medikament bislang wenig erforscht und die Datenlage bezüglich möglicher Anwendungsfelder sehr dünn. Zur Zeit findet medizinisches Cannabis beispielsweise Anwendung bei schweren Spastiken, ausgelöst durch das Tourette Syndrom³, multipler Sklerose², sowie bei Schmerz⁹- oder Chemotherapien.

 Das Ziel der Studie ist demnach herauszufinden, bei welchen Erkrankungen  medizinisches Cannabis sinnvoll eingesetzt werden kann. Hinzu kommt, dass das neue Gesetz nicht vorgibt, bei welchen Krankheiten Cannabis verschrieben werden darf. Es bedarf mehr Forschung, um den Einsatz des Medikaments weiter optimieren zu können.

► ⠀ Woher kommt medizinisches Cannabis?

Primär wird hierzulande der Großteil an Cannabisarzneimitteln aus dem Ausland, wie z.B aus Kanada, importiert. Aktuell übernehmen demnach pharmazeutische Unternehmen die Versorgung an Apotheken. Durch die aktuelle Covid-19-Situation kann sich die erste inländische Ernte von medizinischem Cannabis verzögern. Außerdem lässt sich prognostizieren, dass die Menge an hier produzierten Cannabis Arzneimittel den Bedarf der Patienten nicht decken wird¹¹. 

Die eigens für medizinisches Cannabis eingerichtete staatliche Cannabisagentur des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) wird den Anbau von medizinischem Cannabis in Deutschland kontrollieren und regulieren¹⁰.

► ⠀ Was muss bei einer Therapie mit Cannabis im Straßenverkehr beachtet werden?

Sollte die Art der Therapie neu sein oder die ideale Dosierung von Cannabisarzneimitteln noch nicht ermittelt worden sein, sollte generell auf die Bedienung von schweren Maschinen verzichten werden.

In Deutschland ist es möglich am Straßenverkehr teilzunehmen, wenn ein Patient nachweisen kann, dass die Zufuhr von medizinischem Cannabis nach § 3 Absatz 2 BtMBG ausschließlich der Medikation dient. Der Ausnahmetatbestand § 24 a Absatz 2 Satz 3 StVG besagt, dass es sich nicht um eine Ordnungswidrigkeit handle, wenn ein Fahrzeug unter Wirkung eines berauschenden Mittels geführt wird, die Substanz aber aus der bestimmungsgemäßen Einnahme eines für einen konkreten Krankheitsfall verschriebenen Arzneimittels, herrührt¹². Ergänzend gilt für deutsche Cannabispatienten die Ausnahmeklausel des Straßenverkehrsgesetzes, dass "durch die Medikation die grundsätzliche Fahrtüchtigkeit erst wieder hergestellt wird"¹².  Die Ausführung der Vorschriften, verkündet durch die Bundesregierung, obliegt den jeweiligen Bundesländern.

► ⠀ Nebenwirkungen & Wechselwirkungen - Was zu beachten ist

Cannabis kann auf verschiedene Patienten unterschiedlich wirken. Alle Informationen bezüglich der Neben- & Wechselwirkungen, die bei einer Therapie mit Cannabis auftreten können, erhalten Sie von Ihrer behandelnden Ärztin / Ihrem behandelnden Arzt. 

► ⠀ Was muss bei der Aufbewahrung von Betäubungsmitteln beachtet werden?

Arzneimittel und besonders solche, die unter das Betäubungsmittelgesetz fallen, sollten grundsätzlich gesondert und vor dem Zugriff Unbefugter und Kindern aufbewahrt werden. Personen, denen Cannabismedikamente nicht verschrieben wurden, darf keinen Zugang gewährt werden¹³.

► ⠀ Literaturnachweis / Quellen

0)Gesetz:http://dipbt.bundestag.de/extrakt/ba/WP18/740/74012.html

https://www.bgbl.de/xaver/bgbl/start.xav?startbk=Bundesanzeiger_BGBl&start=//*[@attr_id=%27bgbl117s0403.pdf%27]#__bgbl__%2F%2F*%5B%40attr_id%3D%27bgbl117s0403.pdf%27%5D__1585809859339

Bezug: Verordnung (EU) Nr. 1258/2013 vom 20. November 2013 zur Änderung der Verordnung (EG) Nr. 273/2004 betreffend Drogenausgangsstoffe (ABl. L 330, 10.12.2013, S. 21) ; Verordnung (EU) Nr. 1259/2013 vom 20. November 2013 zur Änderung der Verordnung (EG) Nr. 111/2005 zur Festlegung von Vorschriften für die Überwachung des Handels mit Drogenausgangsstoffen zwischen der Gemeinschaft und Drittländern (ABl. L 330,10.12.2013, S. 30)

1)https://www.bfarm.de/DE/Bundesopiumstelle/Cannabis/Begleiterhebung/_node.html

2)Promising Therapeutic Candidate for the Treatment of Neurodegenerative Diseases.

Cassano T, Villani R, Pace L, Carbone A, Bukke VN, Orkisz S, Avolio C, Serviddio G.

Front Pharmacol. 2020 Mar 6;11:124. doi: 10.3389/fphar.2020.00124. eCollection 2020. Review.

PMID: 32210795

 3)Cannabis use in people with multiple sclerosis and spasticity: A cross-sectional analysis.

Rice J, Hugos C, Hildebrand A, Cameron M.

Mult Scler Relat Disord. 2020 Feb 11;41:102009. doi: 10.1016/j.msard.2020.102009. [Epub ahead of print]

PMID: 32086163

4)Cannabinoid receptor 2 agonist promotes parameters implicated in mucosal healing in patients with inflammatory bowel disease.

Tartakover Matalon S, Ringel Y, Konikoff F, Drucker L, Pery S, Naftali T.

United European Gastroenterol J. 2019 Nov 14:2050640619889773. doi: 10.1177/2050640619889773. [Epub ahead of print]

PMID: 32213014

5)https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/22509985

-Oreja-Guevara C. Clinical efficacy and effectiveness of Sativex, a combined cannabinoid medicine, in multiple sclerosis-related spasticity. Expert Rev Neurother, 2012, 12(4 Suppl), 3-8 Pubmed 

-Robson P. Abuse potential and psychoactive effects of δ-9-tetrahydrocannabinol and cannabidiol oromucosal spray (Sativex), a new cannabinoid medicine. Expert Opin Drug Saf, 2011, 10(5), 675-85

 6)https://www.pharmawiki.ch/wiki/index.php?wiki=Nabilon
https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/2863127

Archer, R.A.; Fukuda, D.S.; Kossoy, A.D. and Abbott, B.J.: Microbiological transformations of nabilone, a synthetic cannabinoid. Applied and Environmental Microbiology 37: 965–971 (1979).

7)https://www.tk.de/techniker/gesundheit-und-medizin/behandlungen-und-medizin/darreichungsformen-dosierung-2032612

8)https://www.bfarm.de/DE/Bundesopiumstelle/Cannabis/Begleiterhebung/_node.html

9)https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/32127750 Cannabinoids in Chronic Non-Cancer Pain: A Systematic Review and Meta-Analysis.Johal H1, Devji T2, Chang Y2, Simone J3, Vannabouathong C2, Bhandari M1,2

10)https://www.bfarm.de/DE/Bundesopiumstelle/Cannabis/Cannabisagentur/_node.html;jsessionid=D2BC3C860F58E86BD63B35B204077D71.2_cid319

11)https://www.leafly.de/medizinalcannabis-bedarf-hoch/ 

12)Antwort der Bundesregierung (Stand 02.10.17)

http://dip21.bundestag.de/dip21/btd/18/117/1811701.pdf

13)https://www.bfarm.de/SharedDocs/Downloads/DE/Bundesopiumstelle/Betaeubungsmittel/SicherungsRL/sicherung4114.pdf?__blob=publicationFile&v=4

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